Verantwortungsbewusstes Innovationssystem
Ein Verantwortungsbewusstes Innovationssystem ist ein Netzwerk von Akteurinnen und Akteuren, die zusammenarbeiten, um Innovationen zu schaffen, zu verbreiten und zu nutzen, und dabei gleichzeitig deren gesellschaftliche Auswirkungen reflektieren.
Die Art der Innovationen ist vielfältig:
- Produktinnovationen (z. B. neues Saatgut, biologische Pflanzenschutzmittel, Lebensmittel),
- Dienstleistungsinnovationen (z. B. neue landwirtschaftliche Beratungsangebote, App zur Geolokalisierung für Produzent/-innen),
- Technologische Innovationen (z. B. neue Sämaschinen für Mischkulturen, neue Verfahren der Lebensmittelverarbeitung),
- Organisatorische Innovationen (z. B. neue Kooperationen zwischen Wirtschaftsakteur/-innen, neue Vertriebswege),
- Vermarktungsinnovationen (z. B. neue Label, neue Marken),
- Innovationen im Geschäftsmodell (z. B. neue Wege der Wertschöpfung).
Das Akteurssystem, das diese Innovationen entwickelt (auch als soziotechnisches System betrachtet), zeichnet sich durch eine grosse Vielfalt aus:
- Akteurstyp (vom unternehmensorientierten Cluster bis zum konsumorientierten Living Lab),
- Geografische Ebene (nationales oder regionales Innovationssystem),
- Sektorale Spezifität (etwa das AKIS – Agricultural Knowledge and Innovation System – für den Agrarsektor),
- Form der Zusammenarbeit (F&E-Allianzen, Open Innovation, GIEE, Fab Labs usw.).
Wenn Innovationen explizit auf die Herausforderungen der nachhaltigen Entwicklung ausgerichtet sind, sowohl ökologisch (Öko-Innovation) als auch sozial (inklusive Innovation), werden sie als ver-antwortungsbewusste oder missionsorientierter Innovationen bezeichnet. Diese gesellschaftliche Verantwortung bezieht sich sowohl auf die Auswirkungen als auch auf die angestrebten Ziele. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von verantwortungsvoller Forschung und Innovation (Responsible Research and Innovation).
Unabhängig von der Form des Systems und der Art der Innovationen spielen öffentliche bzw. halböffentliche Institutionen eine zentrale Rolle bei der Auswahl und Entwicklung verantwortungsvoller Innovationssysteme. Sie stellen u. a. einen geeigneten regulatorischen Rahmen sicher (Patente, Rechtsvorschriften usw.); bieten Anreize und Unterstützungsmassnahmen; und ermöglichen die Finanzierung von F&E-Einrichtungen und anderen Innovationsstrukturen, die die Wissensproduktion und -verbreitung fördern und den Austausch unterschiedlicher Sichtweisen sowie alternativer Inno-vationspfade sicherstellen.
Die Begleitung der agrarökologischen Transformation erfordert somit ein Nachdenken über die Akteursnetzwerke sowie über die gesellschaftlichen Folgen ihrer Innovationen, wobei der Aufbau von gekoppelten Innovationen eine zentrale Herausforderung bleibt.

Weitere Informationen
Lehoux P., Daudelin G., Denis J., Gauthier P., Hagemeister N. 2019. Pourquoi et comment sont conçues les innovations responsables ? Résultats d’une méta-ethnographie. Innovations/2, 59, 15-42. https://doi.org/10.3917/inno.059.0015
OECDiLibrary .2018. Résumé Manuel d’Oslo : Lignes directrices pour le recueil, la communication et l’utilisation des données sur l’innovation, 4ème édition. OCDE Union Européenne. https://doi.org/10.1787/c76f1c7b-fr
Prud’homme J., Doray P., Bouchard F. (dir.). 2015. Sciences, technologies et sociétés de A à Z. Les Presses de l’Université de Montréal. 264p.
Pavie X. 2018. L’innovation à l’épreuve de la philosophie : le choix d’un avenir humainement durable ? . Presses Universitaires de France. 396 p. ISBN 978-2-13-078765-5.
Touzard J-M. 2014. Les approches sectorielles de l’innovation. Principes d’économie de l’innovation, 8, Peter Lang, pp.514, 2014, Business and Innovation, ISBN 978-2-87574-138-7. ⟨hal-02794413⟩.


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