Soziotechnisches System
Ein soziotechnisches System (STS) bezeichnet ein Gefüge von Akteur/-innen (sozialen Gruppen), die miteinander über bestimmte Arten des Produzierens und/oder Konsumierens interagieren. Dieses Konzept wurde von der Forschergemeinschaft Sustainability Transition Research Network entwickelt und betont die Rolle sozialer Interaktionen bei der Gestaltung kollektiver Regeln für die Entwicklung und Einführung von Technologien. „Technologien“ werden hier in einem weiten Sinne als die Art und Weise des Produzierens oder Konsumierens verstanden. Während das STS die Interaktionen zwischen sozialen Gruppen bei der Ausarbeitung oder Infragestellung kollektiver Regeln hervorhebt, befasst sich das damit verbundene Konzept des soziotechnischen Regimes eher mit der Beschreibung der kollektiven Regeln, die sich aus diesen Interaktionen ergeben.
Ein STS vereint verschiedene soziale Gruppen oder Akteursorganisationen: Produzent/-innen (Landwirt/-innen, Handwerker/-innen, Industrielle), Nutzer/-innen und Konsument/-innen, Interessenvertretungen (Berufsverbände, Gewerkschaften, politische Organisationen, NGOs), staatliche oder halböffentliche Institutionen sowie Bildungs- und Forschungseinrichtungen. Im Laufe der Zeit führen ihre Interaktionen dazu, dass sich das betrachtete technische System weiterentwickelt, was entweder zu dessen Stärkung oder zu dessen Ablehnung führen kann. Ein neues STS entsteht durch neue soziale Interaktionen rund um neue Technologien: In dieser Entstehungsphase wird das STS als Innovationsnische bezeichnet, in der die Interaktionen zunächst nur wenige Akteur/-innen betreffen, bevor sie sich ausweiten und neue kollektive Regeln formalisieren, die seine Anerkennung legitimieren.
Diese Konzepte wurden hauptsächlich auf die Analyse grosser gesellschaftlicher Funktionen oder Sektoren wie Energie, Verkehr, Wasser und Abwasser, Wohnen sowie Agrar- und Ernährungssektor. Im Lebensmittelbereich existieren mehrere STS nebeneinander und können sich überschneiden: das der biologischen Landwirtschaft, der konventionellen Landwirtschaft, der Gemeinschaftsverpflegung, eines spezifischen Teilsektors der Tierhaltung oder Pflanzenproduktion usw. Ein STS kann auf ein bestimmtes Gebiet oder ein Label bezogen sein; es kann sogar auf der Ebene eines einzelnen landwirtschaftlichen Betriebs analysiert werden, um die sozialen Interaktionen des Betriebsleiters bei der Anpassung seines Produktions- und Vermarktungssystems zu verdeutlichen.
Die agrarökologische Transformation beruht auf der Entwicklung von STS, deren Interaktionen die Prinzipien der Agrarökologie hervorbringen und weiterentwickeln.
Weitere Informationen
Geels F.W. 2004. From sectoral systems of innovation to socio-technical systems: Insights about dynamics and change from sociology and institutional theory. Research Policy 33 (6-7), pp897–920.


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