Soziotechnisches Regime
Ein soziotechnisches Regime bezieht sich auf das Zusammenlaufen (Konvergenz) einer Reihe von kohärenten Handlungsregeln, die aus einem Prozess sozialer Interaktionen über die Art und Weise des Produzierens und Konsumierens hervorgegangen sind. Dieses Konzept, das aus der Forschung zu gesellschaftlichen Transformationen stammt, verdeutlicht die soziale Einbettung technologischer Paradigmen.
Die Konvergenz der Regeln (formell oder informell), die ein soziotechnisches Regime, hat sich über lange Zeiträume durch vielfältige soziale Interaktionen innerhalb soziotechnischer Systeme herausgebildet. Genauer gesagt versteht sich diese Konvergenz als eine Ko-Evolution zwischen den Regeln verschiedener Sub-Regime (d. h. den Handlungsregeln einzelner sozialer Gruppen), die sich jeweils abhängig von der Ansammlung von Wissen entwickeln. Man unterscheidet hauptsächlich die Regeln folgender Sub-Regime:
- Wissenschaft (z. B. Forschungsheuristiken, oder Formen der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Gesellschaft),
- Politik (z. B. Arten der Konsultation oder Einbindung von Interessengruppen),
- Produktionstechnologien (z. B. die Wahl von Artefakten, technischen Prinzipien oder Materialquellen),
- Konsum und Nutzer (z. B. Präferenzen bezüglich Qualität, Umweltbelastung oder Gesundheit von Produkten),
- Soziokulturelle Werte (z. B. Verhältnis des Menschen zur Natur oder zum Tier).
Der tiefgreifende Wandel eines soziotechnischen Regimes wird als Transformation bezeichnet, die sich über mindestens eine Generation erstreckt. Dies schliesst die Koexistenz mehrerer Regime innerhalb grosser gesellschaftlicher Sektoren (Energie, Verkehr, Wasser, Wohnen, Lebensmittelindustrie) nicht aus. Meist neigt jedoch ein Regime dazu, einen Sektor zu dominieren, basierend auf einem ihm eigenen technologischen Paradigma.
Nach diesem Ansatz versteht sich die agrarökologische Transformation im Agrarsektor als ein langfristiger Prozess des Aufbaus eines neuen soziotechnischen Regimes. Dessen Regeln spiegeln im Laufe der Zeit die Prinzipien der Agrarökologie wider und tragen gleichzeitig dazu bei, diese ständig zu erneuern.

Weitere Informationen
Geels F.W. 2004. From sectoral systems of innovation to socio-technical systems: Insights about dynamics and change from sociology and institutional theory. Research Policy 33 (6-7), pp897–920.
Touzard J-M. 2014. Les approches sectorielles de l’innovation. Principes d’économie de l’innovation, 8, Peter Lang, pp.514, 2014, Business and Innovation, ISBN 978-2-87574-138-7. ⟨hal-02794413⟩.


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