Sozial- und Solidarwirtschaft
Die Sozial- und Solidarwirtschaft (SSW) umfasst vielfältige wirtschaftliche Aktivitäten mit gesellschaftlichem Nutzen. Gemäss dem französischen Gesetz vom 31. Juli 2014 gehört eine Aktivität zur SSW, wenn sie mindestens eines der folgenden Ziele verfolgt: Unterstützung von Menschen in prekären Lebenslagen, Bekämpfung von Ungleichheiten, Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung. Die SSW zeichnet sich durch ihre Funktionsprinzipien und die mobilisierten Ressourcen aus.
Die Funktionsprinzipien sind in der Charta der Sozialwirtschaft von 1980 verankert, die folgende Punkte präzisiert:
- Zweckbestimmung der erbrachten Dienstleistung: Diese hat Vorrang vor der Gewinnmaximierung.
- Governance durch die Mitglieder: In Generalversammlungen gilt das Prinzip „1 Person, 1 Stimme“.
- Vorrang des Menschen und des Gesellschaftszwecks vor dem Kapital: Gewinne werden vor-rangig reinvestiert anstatt ausgeschüttet.
Die mobilisierten Ressourcen integrieren Prinzipien des gegenseitigen Austauschs (Reziprozität) zwischen den Beteiligten sowie nicht-marktgebundene Leistungen (Ehrenamt) zusätzlich zum marktüblichen Austausch von Waren und Dienstleistungen.
Bestimmte Rechtsformen (Genossenschaften, Mutual Gesellschaften, Vereine und Stiftungen) sind fest in den Grundlagen der SSW verankert. Sie betrifft auch zunehmend Aktivitäten von Akteuren und Akteurinnen mit unterschiedlichen Rechtsformen, darunter auch kommerzielle Unternehmen, die sich z. B. über spezielle Zertifizierungen wie „B Corp“ von anderen unterscheiden.
| Beispiele von Akteuren | Rechtsform |
|---|---|
| Biocoop (Händler für Bioprodukte) | Genossenschaft |
| La Mutualité Sociale Agricole (MSA – Landwirtschaftliche Sozialversicherung) | Mutuelle |
| Le réseau AMAP (Verbrauchervereinigung für die Beibehaltung der bäuerlichen Landwirtschaft – in der Schweiz: Kooperationsstelle für Solidarische Landwirtschaft Schweiz) | Verein |
| Fondation Nina et Danielle Carasso | Stiftung |
| B Corp Zertifizierung | Handelsgesellschaften |
Die SSW ist der Motor zahlreicher sozialer Innovationen wie der solidarischen Finanzwirtschaft (z. B. „Finansol“, „La Nef“, „Caisse solidaire“) oder des sogenannten „sehr sozialen“ Wohnungsbaus. Sie fördert Solidarität zwischen Generationen, Regionen und den Gliedern von Wertschöpfungsketten. Auch der Faire Handel (z. B. „Ethiquable“, „Alter-Eco“, „Artisans du monde“) ist eine Form der SSW. Direktvermarktung und kurze Lieferketten, die die Verbindung zwischen Produktion und Konsum stärken, zählen ebenfalls zur SSW und weisen häufig eine agrarökologische Dimension auf.
Weitere Informationen
Duverger T. 2023. L’économie sociale et solidaire. Coll. Repères, éditions La Découverte. 128p.
Le Portail de l’Economie, des Finances, de l’Action et des Comptes Publics. « Qu’est-ce que l’économie sociale et solidaire ? ».
AVISE (Portail du développement de l’Économie Sociale et Solidaire). 2023. Économie sociale et solidaire (ESS) : de quoi parle t-on ?



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