Resilienz landwirtschaftlicher Systeme
Die Resilienz eines Systems bezeichnet seine Fähigkeit, sich an Störungen anzupassen und unter sich verändernden funktionsfähig zu bleiben oder nach einer Beeinträchtigung wieder in einen stabilen Zustand zurückzufinden. Solche Störungen können sich in ihrer Art, Intensität und Dauer unterscheiden:
- Kurzfristige Störereignisse, deren Auswirkungen unmittelbar spürbar sind und Tage, Monate oder sogar Jahre anhalten können.
- Langfristige Veränderungen, die sich schrittweise entwickeln und ihre Wirkung über längere Zeiträume, häufig über Jahrzehnte hinweg, entfalten.
Um die Resilienz landwirtschaftlicher Systeme zu stärken, sind drei Fähigkeiten von besonderer Bedeutung:
- Pufferkapazität: Ein System kann Störungen auffangen, ohne seinen normalen Funktionszustand zu verlassen. So kann ein Milchviehbetrieb eine Dürre überstehen, wenn ausreichend Futtervorräte vorhanden sind.
- Anpassungsfähigkeit: Ein System ist in der Lage, technische, organisatorische oder wirtschaftliche Anpassungen vorzunehmen, um auf Störungen zu reagieren und rasch wieder einen stabilen Zustand zu erreichen. Wiederkehrende Dürren können beispielsweise durch eine vielfältigere Fruchtfolge abgefedert werden. Die Verteilung des Klimarisikos auf verschiedene Kulturen erhöht die Stabilität der Produktion.
- Transformationsfähigkeit: Ein System kann sich grundlegend verändern, um langfristig bestehen zu können. Beispiel: Bei einem starken und dauerhaften Rückgang des Milchpreises kann ein intensiv wirtschaftender Milchviehbetrieb zu einem ressourcenschonenden und autonomeren Produktionssystem umgestaltet werden. Dies kann einen Wechsel der Rasse, die Einführung neuer Betriebszweige oder neue Vermarktungswege umfassen.
Die Agrarökologie kann die Resilienz landwirtschaftlicher Systeme stärken, indem sie die Agrobiodiversität fördert, die Bodengesundheit verbessert und die Autonomie der Betriebe erhöht. Dadurch werden landwirtschaftliche Systeme widerstandsfähiger gegenüber einer Vielzahl von Störungen und langfristigen Veränderungen.
Weitere Informationen
Boto I., Pandya-Lorc R., Biasca R., Brasesco F., Cru D. 2013. Briefing numéro 30 : La résilience Agricole face aux crises et aux chocs. Briefings de Bruxelles sur le développement rural. Une série de réunions sur des questions de développement ACP-UE. International food policy research institute, Bruxelles. 63p.
Penot. E., Benz H., Bar M. 2014. Utilisation d’indicateurs économiques pertinents pour l’évaluation des systèmes de productions agricoles en termes de résilience, vulnérabilité et durabilité : le cas de la région du lac Alaotra à Madagascar. Ethique et économique, 11 (1). pp 44-61.
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