Regionales Ernährungssystem
„Ein Ernährungssystem ist die Gesamtheit der Akteuren, Dienstleistungen und Institutionen, die für die Produktion, Verteilung, den Zugang, die Konsumtion und die Lagerung von Lebensmitteln verantwortlich sind.“ (Pillon, 2011).
Regionale Ernährungssysteme stellen eine alternative, aufkommende Form gegenüber dem globalisierten agroindustriellen Ernährungssystem dar. Letzteres ist um grosse Industrieunternehmen organisiert, sowohl für den Handel mit Betriebsmitteln (Saatgut, Dünger, Maschinen …) als auch für den Handel mit Lebensmitteln, die oft hochverarbeitet sind. Dieses System wird kritisiert wegen negativer Auswirkungen in mehreren Bereichen: Konkurrenz zur bäuerlichen Landwirtschaft, Umweltzerstörung, Gesundheitsprobleme, Mangel- und Unterernährung.
Im Gegensatz dazu verfolgen Regionale Ernährungssysteme folgende Ziele:
- Aufwertung lokaler Produkte in regionalen Wertschöpfungsketten,
- Bessere Verteilung der Wertschöpfung in der Region,
- Entwicklung von Produktions- und Konsummodellen, die Umwelt und Gesundheit respektieren,
- Reduzierung von Lebensmittelverschwendung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Regionale Ernährungssysteme zielen auf die Relokalisierung der Ernährung auf regionaler Ebene unter Berücksichtigung der Herausforderungen nachhaltiger Entwicklung und orientieren sich häufig an agrarökologischen Prinzipien. Sie umfassen Organisationen der Produktion, Verarbeitung, Distribution, Konsumation und Abfallbewirtschaftung sowie deren Interaktionen innerhalb eines spezifischen Gebietes. Regionale Ernährungssysteme beruhen auf der Zusammenarbeit zwischen zahlreichen Akteuren und Akteurinnen aus privaten, öffentlichen und zivilgesellschaftlichen Bereichen. Die Förderung von Produkten in meist kurzen Wertschöpfungsketten trägt zur Strukturierung und Konsolidierung dieser Ketten in den Regionen bei. Diese Dynamik fördert die Ansiedlung neuer Landwirt/-innen sowie die Entstehung innovativer Netzwerke kleiner und mittlerer Unternehmen für Verarbeitung und Verteilung. Schliesslich verfolgen Regionale Ernährungssysteme auch Ziele wie Verbesserung der öffentlichen Gesundheit und mehr Ernährungsgerechtigkeit.
Viele regionale Ernährungssysteme können auf Unterstützung, insbesondere in finanzieller Hinsicht, durch regionale öffentliche Politik (Städte, Regionen) zählen. Diese ist in einen günstigen nationalen und europäischen Kontext eingebettet. In Frankreich zielen die „Projets Alimentaires Territoriaux (PAT)“ auf die Regionalisierung der Ernährungssysteme.
Weitere Informationen
Fondation Daniel et Nina Carasso. 2019. Les systèmes Alimentaires territorialisés. Retour d’expériences de vingt-deux projets en France et en Espagne pour accompagner la transition. 36p.
Pillon A. 2011. „Le système alimentaire : un levier de développement durable pour les territoires sous influence urbaine » : Analyse comparative de stratégies alimentaires métropolitaines et des dynamiques à l’oeuvre sur l’agglomération lyonnaise“. Mastère spécialisé ACTERRA, cursus GREF Action publique pour le développement durable des territoires et de l’agriculture. Promotion 2010-2011.
Muchnik J., Requier-Desjardins D., Sautier D., Touzard J.M. 2007. « Les systèmes agroalimentaires localisés (SYAL) : introduction ». Economies et Sociétés (29) : p. 1465-1484.
Rouillé d’Orfeuil H., Rastoin J-L., Chamay A., et al. 2015. “Systèmes alimentaires territorialisés en France : 100 initiatives locales pour une alimentation responsable et durable”, Resolis. 56p.
Rastoin JL. 2020. Editorial : Crises sanitaires, résilience et refondation des systèmes alimentaires. Systèmes alimentaires / Food Systems 2020, n° 5, 5, pp. 17-31. DOI : 10.15122/isbn.978-2-406-11062-0.p.0017. ⟨hal-03031701⟩
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