Ökowissen
Ökowissen entsteht aus der Verflechtung von akademischem Wissen, gemeinsam erarbeiteten und objektivierbaren praktischen Informationen sowie einer persönlichen, erfahrungsbasierten Erkenntnis, die aus kontinuierlicher, pragmatischer und sinnlicher Beobachtung der Realität hervorgeht. Die unmittelbare, wiederholte und reflektierte Erfahrung menschlicher Interaktionen mit der Natur wird als Lern- und Wissensquelle anerkannt und prägt das körperlich-seelische Gedächtnis.
Das Konzept des Ökowissens entwickelte sich in den 1990er-Jahren in den Erziehungs- und Bildungs-wissenschaften und beschäftigt sich mit dem Lernen durch, für und gemeinsam mit der nichtmenschlichen Umwelt. Es beleuchtet einen bisher wenig beachteten Aspekt der Bildung: nämlich Wissen und Gestaltungsformen, die direkt aus den Prozessen und Strukturen der Natur hervorgehen (Materie, Energie, Topografie, Tiere, Pflanzen, Mineralien usw.). Ökowissen verlangt, diese Elemente ebenfalls als Lehrende anzuerkennen. Dies erfordert eine aufmerksame Beziehung zu diesen Elementen, durch sensibles Zuhören und die Berücksichtigung ihrer eigenen Rhythmen. Es geht darum, eine Arbeitsweise zu entwickeln, die auf einer lebenslangen Schärfung der sechs Lebenssinne (Kinästhesie, Sehen, Riechen, Tasten, Hören, Schmecken) basiert.
Ökowissen verlangt von der handelnden Person eine permanente Anpassung ihres Denkens und Handelns an das Vorhersehbare und das Unvorhersehbare, welche die komplexe Materialität seines Umfelds ausmachen. Es ermöglicht das Handeln angesichts der Risiken und der Ungewissheit der Realität. In der Landwirtschaft bedeutet dies, sich von einer Logik der rationalen und normativen Beherrschung der Umwelt zu lösen, um in der unmittelbaren Aktion die Entwicklung einer möglichst situationsgerechten Handlung zu ermöglichen.
Diese Perspektive versteht Ökowissen als etwas, das zirkuliert und aus der Schnittstelle der vier Hauptformen des lebenslangen Lernens hervorgeht: Lernen durch die Umwelt, Selbstbildung, Peer-Lernen und akademische Bildung.
Die Anerkennung von Ökowissen ist mit einer Form der Agrarökologie verbunden, die ihre Grundlagen aus einem Paradigmenwechsel bezieht: der Akzeptanz der Komplexität der Realität und der Entwicklung eines neuen Selbstverständnisses in der Beziehung zur Welt.

Weitere Informationen
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