Ökologie der Ernährungssysteme
Die Ökologie der Ernährungssysteme bezeichnet einen Ansatz, der sowohl die Agrarökologie als auch die Art und Weise der Ernährung umfasst, um die gegenseitigen Abhängigkeiten zwischen Umwelt, Ernährung und Wertschöpfungsketten zu berücksichtigen.
Basierend auf ganzheitlichen Ansätzen wie „One Health“ ermöglicht dieser interdisziplinäre (noch im Aufbau befindliche) Ansatz die Identifizierung von Wechselwirkungen zwischen Herausforderungen und Prozessen auf verschiedenen räumlichen und zeitlichen Ebenen.
Durch die Analyse der Beziehungen zwischen Produktionsweisen und Ernährungsgewohnheiten trägt dieser Ansatz dazu bei, die Gestaltung unserer Ernährungssysteme neu zu denken, um den ökologischen (Klima, Biodiversität) und gesundheitlichen Herausforderungen (chronische nicht übertragbare Krankheiten und Infektionskrankheiten) zu begegnen. Er zeigt, wie eine agrarökologische Landwirtschaft – die auf Biodiversität in Böden und Landschaften basiert – und eine gesunde, nachhaltige Ernährung – die auf einem pflanzlicheren, abwechslungsreicheren Speiseplan mit weniger Pestizidrück-ständen und hochverarbeiteten Lebensmitteln beruht – miteinander verknüpft sind.
Die Ökologie der Ernährungssysteme führt somit zu einer gemeinsamen Konzeption von: i) Landwirtschaftliche Systemen, die auf Boden- und Ökosystemgesundheit beruhen, die Artenvielfalt fördern, Kultur- und Tierhaltungssysteme kombinieren und Praktiken anwenden, die Biodiversität möglichst wenig beeinträchtigen (Bodenbearbeitung, Pflanzenschutz, Input- und Wassermanagement); ii) einer ausgewogene Ernährung, die sich an Ernährungsempfehlungen orientiert und ein vielfältiges Darmmikrobiom begünstigt; iii) der Umgestaltung der Wertschöpfungsketten, um den verknüpften Anforderungen von Ernährung und Umwelt gerecht zu werden, insbesondere hinsichtlich der Erfassung landwirtschaftlicher Produkte, deren Verarbeitung und Vertrieb, die Reduzierung von Verschwendung sowie den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft betrifft.
Die Ökologie der Ernährungssysteme schliesst auch soziale und ethische Dimensionen im Sinne der Ziele für nachhaltige Entwicklung ein. Indem sie die Gesundheit von Lebewesen (Individuen und Gemeinschaften) und deren Lebensräumen (Boden, Landschaft, Planet) gemeinsam fördert, ermöglicht sie ein nachhaltiges Ressourcenmanagement und die Pflege von Gemeingütern (Luft, Boden, Wasser, Biodiversität), die durch Landwirtschaft und Konsum beeinflusst werden.

Weitere Informationen
Bricas N., Conaré D., Walser M. (eds). 2021. Une écologie de l’alimentation. Editions QUAE, 312p.
Fosse J. 2017. Accélérer la transition écologique des systèmes alimentaires pour concilier impératif environnemental, attentes sociétales et opportunité économique. France stratégie.
Francis, C., Lieblein, G., Gliessman, S., Breland, T.A., Creamer, N., Harwood, R., Salomonsson, L., Helenius, J., Rickerl, D., Salvador, R. and Wiedenhoeft, M. 2003. Agroecology: The ecology of food systems. Journal of sustainable agriculture, 22(3), pp.99-118. https://doi.org/10.1300/J064v22n03_10
Gliessman SR. 2018. Defining agroecology. Agroecology and Sustainable Food Systems, 42, issue 6, pp 599–600. https://doi.org/10.1080/21683565.2018.1432329


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