Nachhaltige Entwicklung
Définition (DE) : Der Brundtland-Bericht definiert nachhaltige Entwicklung als „eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne die Fähigkeit künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen“. Nachhaltige Entwicklung erfordert, die Auswirkungen individueller und kollektiver Handlungen und privater und öffentlicher Entscheidungen gemeinsam zu betrachten und dabei mindestens drei Dimensionen zu berücksichtigen: Sozial (Fairness und Gerechtigkeit innerhalb und zwischen den Generationen), Ökonomisch (Effizienz), und Ökologisch (Schutz, Bewahrung, Erhaltung). Für eine nachhaltige Entwicklung ist die Umsetzung eines Governance-Prinzips erforderlich, das auf der Abstimmung zwischen den potenziell von Entscheidungen betroffenen Akteuren beruht. Dies kann beispielsweise durch einen partizipativen Ansatz erreicht werden.
Ein „starkes“ Verständnis von nachhaltiger Entwicklung bezieht sich auf ein Umweltmanagement, bei dem die Belastbarkeit der Ökosysteme und die Regenerationsgrenzen der natürlichen Ressourcen strikt berücksichtigt werden. Im Gegensatz dazu akzeptiert ein „schwaches“ Verständnis das Prinzip der Kompensation (Verluste an Naturkapital können monetär oder technisch ausgeglichen werden) und setzt auf technischen Fortschritt und Innovationen als Lösung der ökologischen Krise. Einige Stimmen kritisieren den Begriff der nachhaltigen Entwicklung grundsätzlich, insofern er es Akteuren des dominierenden Wirtschaftssystems ermöglicht, ökologische Herausforderungen in eine Logik zu überführen, die mit industrieller Landwirtschaft vereinbar ist.
Nachhaltige Landwirtschaft kann sowohl dem „schwachen“ als auch dem „starken“ Verständnis nachhaltiger Entwicklung folgen. Agrarökologische Praktiken hingegen, die Ökosystemfunktionen und Ökosystemdienstleistungen von Agrarökosystemen nutzen, sind klar einem „starken“ Verständnis zuzuordnen. Agrarökologie bedeutet somit nicht nur, die sozialen und ökologischen Auswirkungen landwirtschaftlicher Praktiken zu berücksichtigen, sondern auch, kulturelle und soziale Ressourcen von Regionen einzubeziehen und die Funktionsweise von Ökosystemen in Produktionsprozesse zu integrieren. In diesem Sinne ist die Agrarökologie sowohl ein Weg als auch ein Ziel.
Weitere Informationen
Brundtland G. H. 1987. Rapport Brundtland – Notre avenir à tous. Les Éditions du Fleuve, Montréal (Édition 1988). p. 349.
Douai A., Plumecocq G. 2017. L’économie écologique, Paris, Repères, La Découverte.
Vivien F-.D. 2003. « Jalons pour une histoire de la notion de développement durable ». Mondes en développement, 1/2003 (n° 121), pp. 01-21.
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