Living lab
Das Reallabor oder „Living Lab“ ist ein Ansatz partizipativer Innovation, der die Nutzer aktiv einbezieht. Ziel ist es, komplexe und multidisziplinäre Fragestellungen auf regionaler Ebene anzugehen.
In einem Living Lab sind alle relevanten Akteurinnen und Akteure in den Ko-Kreationsprozess eingebunden, wobei die Nutzerinnen und Nutzer (Privatpersonen, Unternehmen, öffentliche Einrichtungen) im Zentrum stehen. Der Dialog zwischen den Teilnehmenden wird durch eine kollaborative und demokratische Steuerung gefördert. Dank dieses Multi-Akteurs und multidisziplinären Ökosystems und einer Vielfalt an Kompetenzen kann eine Problemstellung in all ihren Dimensionen betrachtet werden. Der gemeinsame Reflexionsprozess eröffnet neue Perspektiven und ermöglicht es, umfassendere und ganzheitlichere Lösungen zu entwickeln. Der Raum der Ko-Kreation wirkt dabei als Katalysator für Kreativität und kollektive Intelligenz.
Das Konzept des Living Labs ist auf unterschiedliche Bereiche und Ebenen anwendbar, insbesondere auch im landwirtschaftlichen Kontext. Der Plan „Agriculture-Innovation 2025“ (in Frankreich) fördert gezielt dessen Umsetzung, um Innovationen voranzutreiben und die agrarökologische Transformation zu unterstützen.
Historisch war der landwirtschaftliche Innovationsprozess häufig vertikal organisiert und wurde von Forschungseinrichtungen gesteuert, wodurch die eigentlichen Anwender/-innen, die Landwirt/-innen, weitgehend vom Entwicklungsprozess ausgeschlossen waren. Heute sieht sich die Landwirtschaft mit komplexen Fragestellungen konfrontiert, etwa im Zusammenhang mit bestimmten Innovationen wie dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, der in der öffentlichen Diskussion stark polarisierend wirkt. In diesem Kontext bietet das Living Lab einen Ansatz, der alle Beteiligten einbezieht. Die Mitwirkung vonFachleuten und der Zivilgesellschaft an gemeinsamen Projekten trägt dazu bei, das Verhältnis zwischen Öffentlichkeit und Landwirtschaft zu verbessern und einen ökonomischen, sozialen und ökologischen Konsens zu fördern.
Die regionale Verankerung landwirtschaftlicher Aktivitäten und die grosse Vielfalt an pedoklimatischer und sozio-technischer Bedingungen erfordern die Entwicklung von In-situ-Lösungen, die den Bedürfnissen der Landwirt/-innen entsprechen. Partizipative Innovationsansätze wie Living Labs sind mit der Agrarökologie vereinbar, da sie eine systemische Betrachtungsweise ermöglichen, bei der die ökologischen, ökonomischen und sozialen Potenziale einer Region genutzt werden, wie im Rahmen gekoppelter Innovationen.
Weitere Informationen
Dupont L., Morel L., Lhoste P. 2015. Le Lorraine Fab Living Lab : la 4ème dimension de l’innovation. Journées Hubert Curien, Juin 2015, Nancy, France. Actes des Journées Hubert Curien, session Médiation Scientifique, territorialité et développement local, Colloque Science. 8p. hal-01331610
Doyon M., Rochman J., Fontan J.M., Klein J.L., Ducruc S., Xiao J., Yorn C., Fortin J., Dugré S. 2015. L’approche Living Lab et l’aménagement des espaces ouverts agricoles, un exemple en région métropolitaine de Montréal. Journal of Urban Research, special issue 6. 18p. DOI : 10.4000/articulo.2662
Faure G., Chiffoleau Y., Goulet F., Temple L., Touzard J.M. et Giraud G. 2018. Innovation et développement dans les systèmes agricoles et alimentaires. Versailles : Editions Quae. 263 p.
INSOLL, CRIDS, SPIRAL. 2017. Guide des bonnes pratiques du Living Lab. 15p.
Laboratoire d’innovation territoriale. 2019. Le premier Living Lab agricole en France.
Ministère de l’Agriculture et de l’alimentation : Alim’Agri. 2016. Plan « Agriculture – Innovation 2025 » : premier bilan des actions. Communiqué.
Morel L., Dupont L., Boudarel M.R. 2018. Espace d’innovation : de nouveaux lieux pour l’intelligence collective ? Londres : ISTE Ltd. 13p.

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