Konsum’Akteur/-in
Konsum’Akteur/-innen sind Verbraucherinnen und Verbraucher, die den Akt des Konsums wieder aneignen, indem sie ihre Kaufkraft gezielt nutzen, um die von ihnen verteidigten Werte und Anliegen zu schützen. Durch ihr Handeln verkörpern sie den Widerstand gegen die Fehlentwicklungen der Konsumgesellschaft, die von prestigeträchtigem Konsum dominiert wird.
Der Begriff verweist auf den wachsenden kritischen Blick gegenüber globalisierten Wertschöpfungsketten, auf die Ablehnung von „Junk Food“ sowie auf die Kritik an der Dominanz von Industrie und Grossverteiler im Ernährungssystem. Konsum’Akteur/-innen vertreten ein bewusstes Konsummodell, in dem jeder Kauf zu einem politischen Akt wird – ganz im Sinne von „mit dem Einkaufswagen abstimmen“.
Aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit bevorzugen Konsum’Akteur/-innen Produkte, deren nachhaltige und faire Qualität sie anerkennen. Sie unterstützen durch bewusste Kaufentscheidungen Unternehmen, die aus ihrer Sicht ethisch und moralisch handeln, im Gegensatz zu jenen, die rein wirtschaftliche Interessen verfolgen.
Konsum’Akteur/-innen hinterfragen die Folgen ihrer Einkäufe auf die Umwelt und generell die negativen Effekte der Herstellung und des (Über-)Konsums (Ressourcenknappheit, Umweltverschmutzung, bedrohte Biodiversität etc.). Sie bevorzugen wenig verarbeitete, lokale und umweltschonende Produkte. Damit verfolgen sie eine Form von Konsumsuffizienz, indem sie nur erwerben, was sie tatsächlich benötigen.
Dieses Konsumverhalten ist Teil der nachhaltigen Entwicklung und der agrarökologischen Transformation. Letztere wird nicht allein durch technische Innovationen vorangetrieben, sondern auch durch gesellschaftliche Bewegungen, die sich für Ernährungssouveränität und -sicherheit einsetzen.
Der bzw. die Konsum’Akteur/-in beschreibt somit Bürgerinnen und Bürger, die bereit sind, zu allen oder einem Teil dieser technischen, sozialen und ökologischen Herausforderungen Stellung zu beziehen.
Inflation und Druck auf die Kaufkraft stellen diese Figur des Konsumverhaltens zwar vor Herausforderungen, doch die Mythen, die sie verkörpert, transformieren weiterhin die gesamte Konsumgesellschaft.
Weitere Informationen
Aubry K. 2019. Du consommateur au consom’acteur : un changement de paradigme, partie 2. SI institut.
Baddache F. 2010. Passer de la consommation à la consom’action. In : Baddache F. Le développement durable. Éditions Eyrolles [1 re éd. 2006], Paris. pp 139-140.
Equipe Solidaire. 2011. Qu’est-ce qu’un consom’acteur et la consom’action. Economie Solidaire.
Parodi, G. 2007. Acheter pour s’engager. Cahiers de recherche sociologique. 43. pp 37-46. https://doi.org/10.7202/1002477ar
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