Ernährungssouveränität
Ernährungssouveränität bezeichnet das Recht der Bevölkerung, eigene Strategien und Politiken zur Sicherung ihrer Ernährungssicherheit festzulegen, wobei sie die Auswirkungen auf andere berücksichtigen muss. Sie garantiert den Zugang zu gesunder und nachhaltiger Nahrung durch Entscheidungen über Ernährungsweisen sowie über landwirtschaftliche und handelspolitische Massnahmen. Ernährungssouveränität ist ein ganzheitliches Konzept, das soziale, ökonomische, politische und ökologische Dimensionen miteinander verbindet und den Zugang zu Ressourcen (Land, Wasser, Saatgut usw.) voraussetzt, die für die Befriedigung der Grundbedürfnisse erforderlich sind.
Der Begriff entstand in den 1990er Jahren aus den Bewegungen der Globalisierungskritik, insbesondere durch die Bewegung Via Campesina. Laut Olivier De Schutter, ehemaliger UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, besteht heute ein Konsens darüber, „dass jedes Land dabei unterstützt werden muss, sich selbst zu ernähren, und dass die Ernährungsfrage nicht allein durch Produktionskonzentration in den effizientesten Regionen, durch Hilfe oder internationalen Handel gelöst werden kann.“
Ernährungssouveränität ist mehr als ein Produktionssystem. Sie ist ein gesellschaftliches System, das die Ernährung ins Zentrum der gesellschaftlichen Prioritäten rückt. Sie ist hochgradig politisch und erfordert eine Anpassung an die jeweiligen kulturellen und ökologischen Kontexte. Dazu gehört auch der Schutz der Umwelt für zukünftige Generationen.
Nach Miguel Altieri, Professor für Agrarökologie, stützt sich Ernährungssouveränität auf die Agrarökologie, die Ernährungssicherheit gewährleisten kann, während sie natürliche Ressourcen und die biologische Vielfalt bewahrt. Zudem ermöglicht die Unabhängigkeit vom Agrobusiness die Förderung einer vielfältigen lokalen Produktion. Der Rückgriff auf kleinbäuerliche Landwirtschaft, Familienbetriebe und Hausgärten sind zentrale Hebel für Ernährungssouveränität. Diese Liste ist nicht abschliessend und variiert je nach Akteuren und Akteurinnen und ihren sozialen und politischen Zielsetzungen.
Weitere Informationen
Anderson F. 2018. La souveraineté alimentaire tout de suite ! Guide sur souveraineté alimentaire. European coordination Via Campesina, 34 p.
Décarsin A. 2012. La souveraineté alimentaire ou le droit des peuples à décider de leurs politiques agricoles. IdeAs. Consulté le 15 octobre 2019. DOI : 10.4000/ideas.538
De Schutter O. 2014. Notre modèle agricole mondiale est à bout de souffle. Interview par Gilles van Kote pour Le Monde.
Fercot C. 2013. La souveraineté alimentaire: l’alimentation, au croisement de la politique et du droit, résumé de la communication. Lectures en sciences sociales, un séminaire de l’école française de Rome. Consulté le 15 octobre 2019.
Robin M. M. 2014. Les moissons du futur, comment l’agroécologie peut nourrir le monde. La découverte, 192 p. ISBN 978-2-7071-7914-2
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