Energiepositive Landwirtschaft
Energiepositive Landwirtschaft bezeichnet eine Form der landwirtschaftlichen Produktion, die auf drei zentralen Prinzipien beruht: der Verringerung des Energieverbrauchs, der Rückgewinnung von Energie und der Erzeugung von Energie. Ziel ist es, innerhalb eines Systems mehr Energie zu produzieren als zu verbrauchen und dadurch die Energieeffizienz und die Resilienz zu maximieren. Die in landwirtschaftlichen Erzeugnissen enthaltenen Nahrungsenergie (Kalorien) wird bei diesen Energiebilanzen nicht berücksichtigt.
Das Konzept entstand aus dem Bestreben, Alternativen zu fossilen Energien zu finden, Treibhausgasemissionen zu begrenzen und das gesellschaftliche Bild der Landwirtschaft aufzuwerten. Angesichts steigender und künftig erwarteter Preise für fossile und nukleare Energieträger und zunehmender Energiekosten landwirtschaftlicher Betriebe wird zudem eine höhere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit durch eine grössere Energieautonomie angestrebt. Das 2006 vom CEREOPA und AgroParisTech initiierte Projekt „Grignon Energie Positive“ orientierte sich am Konzept des Plusenergiehauses und setzte mit der Einrichtung eines Pilotbetriebs einen ersten wichtigen Impuls für diesen Ansatz. In der Schweiz wird der Ansatz unter anderem durch AgroCleanTech, der Anlauf- und Auskunftsstelle zu Energieeffizienz, erneuerbaren Energien und Klimaschutz in der Landwirtschaft, aufgegriffen.
Zur Umsetzung einer energiepositiven Strategie kann zunächst eine Energieanalyse durchgeführt werden, die den Energieverbrauch eines Systems (Betriebszweig, Gesamtbetrieb oder Region) erfasst. Dadurch lassen sich Potenziale zur Energieeinsparung, Energierückgewinnung und zur Erzeugung alternativer Energien identifizieren. Auf dieser Grundlage können verschiedene Massnahmen umgesetzt werden, beispielsweise: die Einführung von Anbausystemen mit geringem Betriebsmiteleinsatz, die Installation von Systemen zur Wärmerückgewinnung aus Gebäuden oder der Aufbau von Anlagen zur Energieproduktion (Biogas-, Photovoltaik-, Windkraftanlagen).
Die tatsächliche Erfassung des Energieverbrauchs landwirtschaftlicher Tätigkeiten gestaltet sich jedoch schwierig, und eine Steigerung der Energieeffizienz bedeutet nicht zwangsläufig eine Reduktion des absoluten Energieverbrauchs. Auch die Nachhaltigkeit von Infrastrukturen zur Erzeugung erneuerbarer Energien und die Konkurrenz zwischen Energiepflanzen und der Nahrungsmittelproduktion werden kontrovers diskutiert.
Aufgrund ihrer ökologischen Zielsetzung und ihres systemischen Ansatzes, der verschiedene Ebenen (Produktionszweig, Betrieb, Region) berücksichtigt, lässt sich die energiepositive Landwirtschaft der Agrarökologie zuordnen.

Weitere Informationen
I Care & Consult, BLEZAT CONSULTING, CERFrance, CEREOPA. 2018. Agriculture et énergies renouvelables : état de l’art et opportunités pour les exploitations agricoles. Rapport final de mission.70p.
Institut de l’élevage (Idèle). 2016. La ferme d’élevage à énergie positive : Principes et fiches techniques pour améliorer le bilan énergétique des fermes d’élevage de ruminants.
Lapierre O. 2010. Le projet pilote de ferme à bilan énergétique positif et les complémentarités productions animales et végétales. Oléagineux Corps gras Lipides 17(5):312-318. https://doi.org/10.1051/ocl.2010.0336
Régnier Y. 2013. Autonomie et solidarité : les territoires à énergie positive préfigurent un nouveau paysage énergétique. Pour, 218(2), pp 181-188. https://doi.org/10.3917/pour.218.0181
Vert J., Portet F. 2010. Prospective agriculture énergie 2030 : L’agriculture face aux défis énergétiques. Synthèse, Paris, Centre d’études et de prospective, SSP, Ministère de l’Agriculture, de l’Alimentation, de la Pêche, de la Ruralité et de l’Aménagement du Territoire. 12p.


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