Biologische Schädlingsbekämpfung
Biologische Schädlingsbekämpfung bezeichnet den Einsatz lebender Organismen oder natürlicher Substanzen, um Schäden durch Schadorganismen (Schädlinge, Unkräuter oder Krankheitserreger) zu verhindern oder zu verringern. Es werden vier Hauptkategorien unterschieden, je nach Art der eingesetzten Bekämpfungsorganismen oderstoffe:
- Makroorganismen, etwa Insekten oder Nematoden,
- Mikroorganismen, wie Viren, Bakterien oder Pilze,
- chemische Botenstoffe, insbesondere Pheromone,
- natürliche Substanzen pflanzlichen, tierischen oder mineralischen Ursprungs.
Im Laufe der Zeit haben sich drei Formen der biologischen Schädlingsbekämpfung etabliert. Die älteste Form ist die Einbürgerung bzw. klassische biologische Schädlingsbekämpfung, bei der natürliche Gegenspieler aus dem Herkunftsgebiet eines Schaderregers eingeführt werden. Die augmentative biologische Schädlingsbekämpfung basiert auf grossflächiger Freisetzung (Inundation) oder der gezielten Ausbringung (Inokulation) von Bekämpfungsmitteln bei hohem Befallsdruck. Der modernste Ansatz ist die konservierende biologische Schädlingsbekämpfung, die durch den Erhalt von Habitaten die Biodiversität fördert und so vielfältige biologische Reservoirs in der Agrarlandschaft sicherstellt.
Zur Stärkung des Schutzes der menschlichen Gesundheit und der Umwelt sowie zur Vereinfachung der Zulassungsverfahren wurde die EU-Verordnung Nr. 1107/2009 eingeführt. Sie führt spezifische Kategorien ein, um die Nutzung natürlicher Stoffe oder von Wirkstoffen mit geringem Risiko zu fördern. Hierzu zählen insbesondere Grundstoffe (wie derzeit Chitosanhydrochlorid und Ackerschach-telhalm) sowie Wirkstoffe mit geringem Risiko (aktuell noch keine gelistet).
Die Anwendung von biologischen Pflanzenschutzverfahren erfordert die Aneignung neuer Techniken. Landwirt/-innen sind hierbei auf die Unterstützung durch Beratung, Forschungseinrichtungen, Versuchsbetriebe oder Landwirtschaftsämter angewiesen. Eine fundierte Bewirtschaftung setzt voraus, dass die biotischen Risiken einer Parzelle im Vorfeld abgeschätzt werden, um entsprechende vorbeugende Massnahmen festzulegen. Diese strategischen Weichenstellungen können durch taktische Eingriffe ergänzt werden. Der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel ist dabei konsequent zu vermeiden und darf nur als letztes Mittel in Betracht gezogen werden.
Sämtliche Produktionszweige können vom Einsatz biologischer Pflanzenschutzmittel profitieren, was diesen Bereich zu einem stark wachsenden Sektor macht.
Weitere Informationen
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