Bäuerliches Saatgut
Der Begriff „bäuerliches Saatgut“ bezieht sich auf pflanzliches Vermehrungsmaterial (Samen, Knollen, Stecklinge usw.), das zur Reproduktion bestimmt ist.
Bäuerliches Saatgut stammt aus Pflanzenpopulationen, die von Landwirtinnen und Landwirten selbst vermehrt, selektiert, gereinigt und gelagert werden, bevor sie erneut ausgesät werden – daher die Bezeichnung „bäuerlich“. Die Selektion erfolgt durch das Zusammenspiel von menschlicher Auswahl und natürlicher Selektion im Feld. Auf diese Weise werden sogenannte „bäuerliche Sorten“ (oder Populationssorten) erhalten. Dieses Saatgut ist das Ergebnis der Verbindung biologischer Eigenschaften mit dem praktischen Wissen der Landwirt/-innen, die wissen, wie es genutzt wird und welche Leistungen sie erwarten können. Es ist nicht zwingend lokal, sondern kann auch aus Saatgutaustausch zwischen Betrieben stammen.
Lokales Saatgut ist hingegen an ein bestimmtes biogeographisches Gebiet gebunden, wurde aber nicht unbedingt selektiert. Häufig wird bäuerliches Saatgut mit „Hofsaatgut“ verwechselt. Hofsaatgut stammt jedoch lediglich aus kommerziellen Sorten, deren Samen nach der Ernte für die Wiederaus-saat genutzt werden.
Die Selektion bäuerlichen Saatguts führt zu heterogenen Populationen: Individuen mit ähnlichen Merkmalen, aber unterschiedlichem genetischem Hintergrund. Diese Vielfalt verleiht ihnen eine hohe Anpassungsfähigkeit, erfüllt jedoch nicht die Kriterien für Stabilität und Homogenität, die für die Aufnahme in den offiziellen europäischen Sortenkatalog erforderlich sind.
Bäuerliches Saatgut trägt zur Erhaltung und Förderung der Kulturpflanzenvielfalt bei. Es ist das Ergebnis einer Ko-Evolution mit Umwelt und Anbaupraktiken und passt sich dadurch besonders gut an Systeme mit geringem Inputeinsatz an. Damit ist es eine wichtige Ressource für die Entwicklung agrarökologischer Systeme. Die Anerkennung bäuerlichen Saatguts wird von sozialen Bewegungen unterstützt, die sich für Ernährungssouveränität und bäuerliche Landwirtschaft einsetzen, wie das „Réseau des Semences Paysannes“ in Frankreich.
Weitere Informationen
Organisation des Nations unies pour l’alimentation et l’agriculture (FAO). 2012. Le guide de production de semences de riz. Consulté le 15 février 2018.
Fédération des Conservatoires Botaniques Nationaux (FCBN). 2018. Végétal local & Vraies messicoles. Consulté le 15 février 2018.
Gestin J., Magnanon S., Lacroix P. 2011. La question de l’indigénat des plantes de Basse-Normandie, Bretagne et Pays de la Loire. Conservatoire Botanique National de Bretagne. 19p.
Kastler G. 2006. Les semences paysannes : situation actuelle, difficultés techniques, besoin d’un cadre juridique. Les Dossiers de l’environnement de l’INRA. Vol. 30. PP 53-56.
Réseau Semences Paysannes. 2013. Réseau Semences Paysannes – Définition des Semences Paysannes. Consulté le 6 février 2018.
SEMAE – l’interprofession des semences et plats. 2018. La protection des variétés végétales.
SOLAGRO. 2018. OSez l’Agro Écologie. Semences paysannes. Consulté le 15 février 2018.
Turner M., Feyt H. 2013. Les semences. Quae édition. ISBN 978-2-7592-1892-9.
Vergonjeanne R. 2011. Semences de ferme Connaissez-vous la réglementation ? Terre-net. Consulté le 6 février 2018.
Haben Sie eine Meinung oder eine Frage zu dieser Definition?
Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet