Agrarökologischer Pflanzenschutz
Der agrarökologische Pflanzenschutz ist die Anwendung der Prizipien der Agrarökologie auf den Pflanzenschutz. Wie die Agrarökologie umfasst er drei Dimensionen: Er ist zugleich eine wissenschaftliche Disziplin, systematische Anwendung agronomischer Praktiken und ein Feld sozialer Interaktionen.
In der wissenschaftlichen Dimension verfolgt der agrarökologische Pflanzenschutz ein Konzept des Pflanzenschutzes, das auf die langfristige Stabilität und Nachhaltigkeit von Agrarökosystemen abzielt. Er fördert deren ökologische Funktionsfähigkeit durch die direkte oder indirekte Optimierung von Wechselwirkungen innerhalb der Lebensgemeinschaften. Diese Dimension stützt sich auf drei Schwerpunkte:
- Die Prävention von Massenvermehrungen, Infektionen und dem Befall durch Schädlinge sowie die Vermeidung damit verbundener Schäden
- Die Förderung (oder Erhaltung) der Biodiversität (sowohl oberirdisch als auch bodenbürtig).
- Die Wiederherstellung (oder Erhaltung) der Bodengesundheit.
Diese komplementären Schwerpunkte zielen darauf ab, die Resilienz und Gesundheit des Agrarökosystems zu stärken (oder zu erhalten), um dessen Anfälligkeit gegenüber Schädlingen, Krankheitserregern und Unkräutern (zu minimieren. Der agrarökologische Pflanzenschutz nutzt hierbei systemische, integrative und partizipative Forschungsansätze.
In der agronomischen Dimension ist der agrarökologische Pflanzenschutz eine konkrete Strategie für die praktische Anwendung im Feld. Er basiert auf einer logisch strukturierten Kombination verschiedener Massnahmen: Einhaltung regulatorischer Vorgaben; Bewirtschaftung auf Landschaftsebene; Management auf Betriebsebene; regelmässiges Monitoring des Agrarökosystems; präventive Mass-nahmen auf Ebene des Anbausystems; sowie, als letztes Mittel, der Einsatz kurativer Massnahmen. Präventive Massnahmen haben dabei Vorrang.
Die dritte Dimension des agrarökologischen Pflanzenschutzes bildet ein Feld sozialer Interaktionen zwischen verschiedenen Akteur/-innen der Landwirtschaft und der Ernährungssysteme. Es stehen mehrere Ziele im Vordergrund: die Neubewertung des Zusammenspiels verschiedener Wissensformen mit ökologischen Prozessen und Funktionen; Aus- und Weiterbildung; die Neudefinition der Partnerschaft mit der Natur zum Schutz der Kulturen; die Förderung von Multi-Akteurs-Strategien und die Diversifizierung der Märkte zur Neugestaltung der Produktionssysteme.

Weitere Informationen
Deguine J-P., Gloanec C., Laurent P., Ratnadass A., Aubertot J-N. (coords.). 2016. Protection agroécologique des cultures. Edition QUAE, collection Savoir-faire. 1ère édition. 288p.
Université virtuelle d’agroécologie (UVAE). GASCON Gestion Agroécologique de la Santé des Cultures et des Organismes Nuisibles.


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